Dieser Artikel erschien zuerst bei unseren Kollegen von DJ-Extensions (englisch).
Barrierefreiheit klingt nach einem grossen Projekt. In der Praxis ist es meist eine Reihe kleiner, konkreter Anpassungen. Wer eine Website für Kundschaft, Mitglieder oder Publikum betreibt, sollte sie so bauen, dass auch Menschen mit Seh-, Hör-, motorischen oder kognitiven Einschränkungen sie nutzen können. Das ist zunächst eine Frage der Fairness – nebenbei zählt eine zugängliche Seite bei Google auch als gut strukturierte Seite.
Die folgenden acht Schritte sind keine Checkliste zum einmaligen Abhaken, sondern eine Reihenfolge, mit der Sie systematisch vorgehen können: vom ersten Test bis zur laufenden Pflege.
Die acht Schritte
- 1. Bestandsaufnahme machen. Bevor Sie etwas ändern, prüfen Sie den Ist-Zustand. Kostenlose Online-Tools wie WAVE oder axe zeigen automatisch die gröbsten Probleme: fehlende Alt-Texte, zu schwacher Kontrast, unbeschriftete Formularfelder. Das dauert wenige Minuten und liefert eine erste Prioritätenliste.
- 2. Bilder mit Alt-Texten versehen. Jedes Bild, das Inhalt transportiert, braucht eine kurze Textbeschreibung. Screenreader lesen sie vor, damit blinde Besucherinnen und Besucher wissen, was zu sehen wäre. Rein dekorative Bilder erhalten einen leeren Alt-Text, damit Screenreader sie überspringen.
- 3. Farbkontraste prüfen. Helle Schrift auf hellem Grund wirkt vielleicht zurückhaltend, ist für viele Menschen aber kaum lesbar. Prüfen Sie Text- und Hintergrundfarben mit einem Kontrastrechner und passen Sie Werte an, die zu niedrig liegen.
- 4. Tastaturbedienung sicherstellen. Nicht alle Besucherinnen und Besucher nutzen eine Maus. Klicken Sie sich testweise nur mit der Tab-Taste durch Ihre Seite: Kommen Sie überall hin? Ist immer sichtbar, welches Element gerade markiert ist? Menüs, Formulare und Buttons müssen ohne Maus bedienbar sein.
- 5. Überschriften sauber strukturieren. Eine Seite braucht genau eine H1, darunter H2 und H3 in logischer Reihenfolge – gewählt nach Inhalt, nicht nach optischer Grösse. Das hilft Screenreadern bei der Orientierung und ebenso Suchmaschinen.
- 6. Formulare und Buttons beschriften. Jedes Eingabefeld braucht ein sichtbares Label, jeder Button einen Text, der die Aktion beschreibt – „Nachricht senden" statt „Hier klicken". Fehlermeldungen sollten konkret sagen, was zu tun ist.
- 7. Videos und Audio zugänglich machen. Untertitel machen Videoinhalte für gehörlose und schwerhörige Menschen zugänglich. Ein Texttranskript hilft zusätzlich – und liefert Suchmaschinen Text, den sie aus dem Video selbst nicht auswerten können.
- 8. Regelmässig testen und pflegen. Barrierefreiheit ist kein einmaliger Zustand. Neue Inhalte, Bilder und Formulare bringen laufend neue Stolpersteine. Legen Sie einen festen Rhythmus fest – etwa halbjährlich – und prüfen Sie erneut mit denselben Tools wie bei der ersten Bestandsaufnahme.
Was das für Sie bedeutet
Sie müssen nicht alle acht Schritte an einem Wochenende umsetzen. Beginnen Sie mit der Bestandsaufnahme, beheben Sie danach die gravierendsten Probleme zuerst – meist Alt-Texte, Kontraste und Tastaturbedienung – und bauen Sie den Rest schrittweise ein. Für gängige Systeme wie WordPress oder Joomla gibt es Plugins, die einzelne Schritte erleichtern; für die meisten Websites reicht aber eine sorgfältige, manuelle Umsetzung der Grundlagen.
Fazit: Eine barrierefreie Website ist kein Sonderprojekt für grosse Organisationen, sondern eine Frage von acht überschaubaren Schritten. Wer sie einmal durchgeht und danach regelmässig nachprüft, erreicht mehr Menschen – und hat nebenbei eine technisch sauberere Website.