Dieser Artikel erschien zuerst bei unseren Kollegen von DJ-Extensions (englisch).
Dass eine Website barrierefrei ist, ist für immer mehr Organisationen keine Kür, sondern Pflicht. In vielen Ländern ist die Zugänglichkeit digitaler Angebote gesetzlich geregelt – und der Massstab dafür heisst WCAG.
Was ist WCAG?
WCAG steht für Web Content Accessibility Guidelines, die international anerkannten Richtlinien des W3C für barrierefreie Web-Inhalte. Lange war WCAG 2.1 (2018) der gängige Massstab; aktuell ist die Version 2.2 aus dem Jahr 2023. Die Richtlinien beschreiben nachvollziehbar, wie Inhalte wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust gestaltet werden – von ausreichendem Kontrast über Tastaturbedienbarkeit bis zu sinnvollen Alternativtexten.
Wer ist gesetzlich betroffen?
Der rechtliche Rahmen unterscheidet sich je nach Land:
- EU: Die Richtlinie 2016/2102 verpflichtet öffentliche Stellen, ihre Websites barrierefrei und WCAG-konform zu gestalten.
- USA: Dort gilt für Bundesbehörden das Regelwerk „Section 508".
- Schweiz: Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) verpflichtet bislang vor allem öffentliche Stellen. Für Unternehmen mit Kundschaft in der EU wird Barrierefreiheit über den European Accessibility Act zunehmend zum Thema.
Unabhängig von der Gesetzeslage gilt: Eine zugängliche Website erreicht mehr Menschen, wirkt professioneller und rankt – wie an anderer Stelle beschrieben – tendenziell besser bei Google.
Was das für WordPress-Betreiber praktisch heisst
WordPress selbst legt die Grundlage; entscheidend sind Theme, Inhalte und laufende Pflege. Die wichtigsten Hebel:
- Ein barrierefreundliches Theme als Basis – es gibt Themes, die bewusst auf WCAG ausgelegt sind. Das ist einfacher, als eine nicht barrierefreie Seite nachträglich nachzurüsten.
- Ausreichender Kontrast und eine gut lesbare Schriftgrösse.
- Tastaturbedienbarkeit – alles muss ohne Maus erreichbar sein, mit sichtbarem Fokus.
- Alternativtexte für alle inhaltstragenden Bilder.
- Eine saubere Überschriftenstruktur und aussagekräftige Linktexte.
Ergänzend gibt es Plugins, die Nutzern zusätzliche Hilfen anbieten (Kontrast-Umschalter, Vorlesefunktion, Schriftvergrösserung). Sie ersetzen aber keine sauber gebaute Seite – sie ergänzen sie.
Fazit
Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt, sondern Teil der laufenden Pflege: Mit jedem neuen Beitrag, jedem neuen Bild kann sie leiden, wenn niemand darauf achtet. Wer Struktur, Kontraste und Alternativtexte regelmässig prüft, hält seine WordPress-Seite dauerhaft zugänglich – für alle Besucher.